Herkunft

Herkunft prägt, das ist klar. Einige Interviewpartner berichten von prägenden Kindheitserlebnissen oder davon, was in der Familie über gegenseitige Kontakte erzählt oder auch nicht erzählt wurde.

Die Vorstellung sowjetischer Bürger – besonders der älteren Generation – von den Deutschen waren untrennbar mit ihren Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus verbunden. Durch Zeitungen und Filme wurde das noch verstärkt. Bei denjenigen, die jedoch direkte Verbindungen zu DDR-Bürgern hatten, verlor die Propaganda an Einfluss.

In den Berichten deutscher Protagonisten spielt der Zweite Weltkrieg und dessen Ende ebenfalls immer wieder eine Rolle: Angst vor „den Russen“, Vergewaltigungen deutscher Frauen, Befreiung, Kriegsgefangenschaft. Sie berichten auch davon, dass nach Kriegsende die Rote Armee Arbeitgeberin für deutsche Zivilisten war.

Einige ehemals sowjetische Zeitzeugen berichten über Kontakte ihrer Vorfahren zu Deutschen in der kommunistischen Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Für Aufgaben in der Sowjetischen Besatzungszone und dann der DDR waren insbesondere diejenigen prädestiniert, die über gute Deutschkenntnisse verfügten.
Besondere Einschnitte markierten für einige DDR-Bürger die sowjetische Niederschlagung des ostdeutschen Volksaufstandes vom 17. Juni 1953, der ungarischen Revolution 1956 und des Prager Frühlings 1968.